Deutsches Rotes Kreuz Ortsverein Gerlingen

14.05.2019 | Hauptversammlung des DRK-Gerlingen

Bei der Jahreshauptversammlung des DRK Gerlingen standen in diesem Jahr neben den Berichten auch wieder einige Ehrungen auf der Tagesordnung. Unter anderem wurde Renate Metzger mit der Ehrenmedaille der Stadt Gerlingen in Bronze ausgezeichnet.


"Das Ehrenamt ist das Rückgrat des Roten Kreuzes. Egal, ob bei der Bereitschaft, der Sozialarbeit, Wasserwacht, Bergwacht oder im Jugendrotkreuz. Die Arbeit mit und für Menschen macht das Ehrenamt beim Deutschen Roten Kreuz erst aus", stellte der erste Vorsitzende des DRK Gerlingen, Thilo Lang eingangs seiner Begrüßung zur Hauptversammlung fest. Unter den Besuchern weilten neben den aktiven und passiven Mitgliedern des Ortsvereins auch Bürgermeister Georg Brenner, zahlreiche Vertreter des Gemeinderates, Stefan Fritzsche, Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Senioren, sowie Vertreter der Polizei, der Feuerwehr und des DRK Kreisverbands.

Eingangs seines Vorstandsberichtes hielt Lang weiter fest, dass ehrenamtliches Engagement einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leistet. Die Freiwilligenarbeit erreiche ein Ausmaß, über dessen umfassende Tragweite Einigkeit herrsche. Quantitativ und qualitativ sei sie jedoch noch unzureichend erfasst. "Ehrenamtliche Arbeit ist Leistung für andere. Diese erfolgt zwar unbezahlt und hat daher keinen Preis, wohl aber einen ökonomischen Wert", so Lang. Beim Roten Kreuz spiele das Ehrenamt eine bedeutende Rolle, sei doch die Freiwilligkeit einer der sieben Grundsätze des DRK. "Ehrenamt ist eine Chance für jeden Einzelnen, sich einzumischen und mitzugestalten." Von den Mitgliedern des Ortsvereins Gerlingen seien im vergangenen Jahr 9.472 freiwillige Stunden geleistet worden, so Lang weiter. "Unsere Helferinnen und Helfer stellen ihre Kenntnisse, ihren Idealismus und einen großen Teil ihrer privaten Freizeit völlig unentgeltlich der Allgemeinheit zur Verfügung."

Mit 83 Aktiven aus den Fachbereichen Sanitätsbereitschaft, Arbeitskreis und Sozialarbeit, 37 Jugendrotkreuzmitgliedern und über 1.200 passiven Mitgliedern sei der Ortsverein Gerlingen einer der größten im Landkreis Ludwigsburg. Dass es dem Ortsverein gut gehe und er auch auf einem finanziell gesicherten Fundament stehe, sei für die Arbeit im Ehrenamt genauso wichtig wie für die mittlerweile sechs Teilzeitbeschäftigten, die in der Kleiderkammer arbeiten. "Deshalb war die Entscheidung, eine geringe Aufwandsentschädigung für Sanitätsdienste zu verlangen die richtige", hielt Lang fest. Zwei ausgebildete Sanitäter mit Fahrzeug kosten bei einem Einsatz bis sechs Stunden 60 Euro, also fünf Euro pro Helfer und Stunde. Das Geld werde für die Ausgaben der Fachbereiche, für Verbandsmaterial, medizinische Geräte, Mietzahlungen, Ausbildungen, Fahrzeuge oder auch persönliche Schutzausrüstung verwendet. "Unsere Rotkreuzhelfer erhalten keine finanzielle Entschädigung", betonte der Vorsitzende. Lang berichtete weiter, dass der Ortsverein seine vielfältigen Aufgaben und Aktivitäten im Berichtsjahr ausgebaut habe. Für die Ende 2017 ins Leben gerufenen "Helfer vor Ort" hätten sich durch die Inbetriebnahme eines Einsatzfahrzeuges die Anfahrtszeiten zum Patienten innerhalb Gerlingen erheblich reduziert. Im vergangenen Jahr seien die Helfer vor Ort 248 Mal aus unterschiedlichsten Gründen alarmiert worden. Vom Sturz oder Auffinden bewusstloser Personen über Herzinfarkt bis hin zu Suizidversuch reichte das Einsatzspektrum, mit dem das Helfer-Team konfrontiert wurde. Weiter berichtete Lang über das Angebot "Heranführung an die Erste Hilfe", bei dem Vorschulkinder in Gerlinger Kindergärten auf spielerische Art an das Thema herangeführt werden und auch über das seit nun bereits vier Jahren laufende Projekt "Juniorhelfer" an der Breitwiesenschule. Insgesamt würden in der Schule inzwischen 46 sehr motivierte Grundschüler in den großen Pausen ihren Sanitätsdienst leisten. In der Realschule und im Robert-Bosch-Gymnasium gebe es zudem zwei Schulsanitätsgruppen. Beim Schulsanitätsdienst im Gymnasium habe man mit der Lehrerin Sabrina Junge, die auch Mitglied im Ortsverein ist, das Angebot ausbauen können.

Im vergangenen Jahr wurden zudem elf Erste-Hilfe-Kurse angeboten, bei denen über 150 Personen auf den neuesten Stand gebracht wurden. Ferner hatte das DRK die medizinische Betreuung der Teilnehmer beim Partnerschaftslauf nach Seaham übernommen und auch für deren Verpflegung gesorgt, war bei der Gerlinger Messe mit einem Stand vertreten und hatte an allen drei Messetagen die Sanitätswache übernommen. Ein überwältigendes Projekt sei die Einführung der Rotkreuz-Dose gewesen. "Mit der Pressekonferenz im Rathaus, der Zusage der Stadtverwaltung, dass die Bürgerstiftung die Finanzierung von 1.000 Dosen übernimmt und der Zustimmung des Ausschusses, dass die roten Dosen kostenlos verteilt werden können, fing die Erfolgsgeschichte an", freute sich der Vorsitzende. Mittlerweile seien knapp 3.000 Dosen verteilt. "Sie lagern hoffentlich, wie angedacht, im Kühlschrank in den Haushalten", so Lang.

Seinen Bericht schloss Lang verbunden mit dem Dank an die gesamte Stadtverwaltung und den Gemeinderat für das stets vertrauenswürdige Miteinander und die Unterstützung. "Lassen Sie es uns gemeinsam angehen, damit eine neue Heimat für Ihr Gerlinger Rotkreuz entsteht." Sein Dank galt auch der Feuerwehr sowie der Polizei für die gute Zusammenarbeit und allen Förderern, Mitgliedern und Aktiven des Roten Kreuzes für ihren Einsatz und die Unterstützung der Arbeit.

Bereitschaftsleiter Alexander Killer ging eingangs seines Berichtes ebenfalls auf das Helfer vor Ort-System ein. Bei den bereits erwähnten 248 Alarmierungen seien die Helfer vor Ort (HvO) dank des neuen Fahrzeugs in 89 Prozent der Fälle vor dem stets mitalarmierten Rettungsdienst vor Ort. Insgesamt sei die Zahl der Alarmierungen über das Jahr gestiegen und der Trend gehe so weiter. Die Alarmierungen würden sich gleichmäßig auf die Wochentage verteilen und seien überwiegend tagsüber. Bei Ankunft der HvO seien Anrufer oder Betroffene häufig verwundert, dass so schnell jemand da ist und natürlich stelle sich dadurch auch schnell Erleichterung ein. Aufgabe der Helfer vor Ort - die in einer Verordnung des Innenministeriums Baden-Württemberg geregelt ist - sei die sogenannten "behandlungsfreien Intervalle" zu verkürzen. Manches Mal sei der Einsatzort aber schwer zu finden. Beispielsweise, weil der Eingang versteckt ist, die Hausnummer am Gebäude fehlt oder ein Grundstück schwer zu finden ist. Für die nachrückenden Einsatzkräfte sei das Fahrzeug der HvO ein weithin sichtbarer Anhaltspunkt. Die HvO würden sich auch darum kümmern, dass der Zugang zu den Patienten für die nachrückenden Helfer frei ist. Der Patient werde bei Eintreffen des Rettungsdienstes dann mit einem Übergabegespräch, bei dem alle relevanten Informationen weitergegeben werden, übergeben. Ab dem Zeitpunkt unterstützen die HvO den Rettungsdienst und kümmern sich gegebenenfalls auch um die Angehörigen.

Die Einsatzgruppe Bereitschaft werde zu Großeinsätzen alarmiert. Im Rahmen des Engelbergtunnel-Alarmplans wird die Einsatzgruppe für Betreuungs- und Verpflegungsaufgaben alarmiert. Zudem stellt die Bereitschaft auch Personal für die Schnelleinsatzgruppe Erstversorgung im Landkreis, die bei Einsätzen am Engelbergtunnel ebenfalls alarmiert wird. Bei Einsätzen im Engelbergtunnel hat das Gerlinger DRK also eine Doppelaufgabe zu bewältigen. Bei der Alarmierung im vergangenen Jahr habe es sich um einen Fehlalarm gehandelt. Alarmiert wurde die Schnelleinsatzgruppe ferner zu einem Brand in einer Gemeinschaftsunterkunft in Kornwestheim. Die Bewohner hätten glücklicherweise alle unverletzt das Gebäude verlassen können.

Im Rahmen des Sanitätsdienstes hat die Bereitschaft zudem 23. Veranstaltungen in Gerlingen im vergangenen Jahr betreut. Dabei leisteten die Bereitschaftsmitglieder an 28 Diensttagen 89 Mal Hilfe. 11 Mal mussten Personen ins Krankenhaus eingewiesen werden. Viel Zeit investierten die Bereitschaftsmitglieder auch in Aus- und Fortbildungen, vor Ort in Gerlingen, aber auch auf Kreisebene. Abschließend bedankte sich auch der Bereitschaftsleiter bei allen Kameradinnen und Kameraden für ihren Einsatz und bei der Feuerwehr, der Polizei sowie der Stadt für die stets gute Zusammenarbeit.

Jugendleiter Daniel Lemke konnte wieder von einem erfolgreichen Jahr berichten. Auf dem Dienstplan standen neben der Ausbildung und der Teilnahme bei der Gerlinger Messe, die zur Mitgliederwerbung genutzt wurde, gemeinsame Aktivitäten wie Schlittschuhlaufen auf der Waldau, ein Ausflug nach Tripsdrill, eine Filmnacht, die Teilnahme am Weihnachtsmarkt der Kindergärten oder die traditionelle Weihnachtsfeier. Insgesamt habe das JRK im vergangenen Jahr 1.292 Stunden bei Gruppenabenden und Veranstaltungen absolviert.

Den Bericht der Wohlfahrts- und Sozialarbeit übernahm Thilo Lang. Er hielt fest, dass die Wohlfahrts- und Sozialarbeit eine der Kernaufgaben des Roten Kreuzes sei. Sie kombiniere soziale Arbeit im engeren Sinn mit Themen aus dem Bereich Gesundheitsvorsorge und -förderung. Ziel sei es, die Lebenssituation benachteiligter und hilfebedürftiger Menschen zu verbessern. Die ehrenamtliche Tätigkeit würden hier durch hauptamtlich Beschäftigte auf DRK Landes- und Kreisebene ergänzt. "Hier möchte ich kurz erwähnen, dass die Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Mitarbeitern im DRK-Kreisverband Ludwigsburg hervorragend funktioniert", so Lang. Die Angebote der Wohlfahrts- und Sozialarbeit umfassen Gesundheitsprogramme, Besuchsdienste, Behindertenhilfe und Inklusionsarbeit, Offene Seniorenarbeit, Soziale Unterstützung durch Kleiderkammern und Schuldnerberatungsstellen, Integrative Angebote, Migrationsberatungsstellen, Flüchtlingssozialarbeit und Kinder-, Jugend- und Familienbildung. Sechs dieser Kernangebote würden vom Ortsverein vor Ort in Gerlingen abgedeckt. Eine wichtige Rolle in der Sozialarbeit spielen die acht Gymnastik- und zwei Tanzgruppen, die nicht nur für den Erhalt der körperlichen Fitness der Teilnehmer sorgen, sondern auch für die Pflege sozialer Kontakte mit Gleichgesinnten eine wichtige Rolle spielen. Nicht unerwähnt ließ Lang auch das Angebot "Sport im Freien" bei dem pro Abend über 60 Teilnehmer gezählt werden konnten. Das Übungsleiterteam bestehe inzwischen aus zwölf Damen. Neu hinzugekommen sei Tanja Keil-Liedtke, die im vergangenen Jahr den Grundkurs Gymnastik absolviert hat.

Eine weitere wichtige Kernaufgabe sei die nun seit 23 Jahren bestehende Kleiderkammer. Diese habe zwar ein geringes Defizit erwirtschaftet, die auf die Verkaufszahlen zurückzuführen seien. Überlegungen, wie die Attraktivität oder Warenpräsentation verändert werden kann, würden bereits laufen. Nach wie vor sei die Kleiderkammer ein wichtiger sozialer Bestandteil in Gerlingen und Umgebung. Ferner verwies Lang auf die Krankenbesuche und Beratungsgespräche etwa über Hausnotruf, DRK-Reisen oder Essen auf Rädern, sowie die kostenfreie Möglichkeit, Hilfsmittel wie einen Rollstuhl auszuleihen. Auch das Rotkreuz-Café im Breitwiesenhaus ließ der Ortsvereinsvorsitzende nicht unerwähnt, dort wurden im vergangenen Jahr an 51 Samstagen 850 Personen von einem 13-köpfigen Café-Team bewirtet. Nach wie vor betreut das DRK eine Flüchtlingsfamilie in Form einer Patenschaft und auch die Patenschaft für die achtjährige Yvette in Benin besteht weiterhin.

Rechnungsführerin Sabine Schilke zeigte in ihrem Bericht anhand eines Diagramms auf, dass die höchsten Einnahmen des DRK Gerlingen aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen stammen, gefolgt von der Vereinsförderung sowie den Einnahmen aus dem Sanitätsdienst und dem Materialverleih. Bei den Ausgaben waren im vergangenen Jahr der größte Posten die Kosten für die Fahrzeuge gefolgt von der Sozialarbeit und den Ausgaben für Dienstbekleidung. Insgesamt habe man im vergangenen Jahr einen Einnahmeüberschuss verzeichnen können. Bei der Kasse hatte es, wie die Revisoren vermeldeten, keine Beanstandungen gegeben. Einer Entlastung stehe nichts im Wege.

Die einstimmig gewährte Entlastung beantragte Bürgermeister Georg Brenner. Eingangs seiner Grußworte überbrachte das Stadtoberhaupt den Dank der Verwaltung und der Gemeinderäte sowie der gesamten Gerlinger Bevölkerung. Die Berichte seien alle sehr beeindruckend gewesen. Großes Lob sprach Brenner den Helfern vor Ort aus. Ihre Arbeit könne man nicht hoch genug bewerten. Ebenfalls lobend erwähnte Brenner die Einführung der Rotkreuz-Dose. Die Rote Dose, die ein Datenblatt beinhaltet auf dem man seine Gesundheitsdaten und Medikamentenpläne notiert sowie die Kontaktdaten des Hausarztes oder Pflegedienstes, Hinweise zu einer Patientenverfügung oder Notfallkontakte festgehalten werden, sei eine tolle Sache, die dem Rettungsdienst helfe schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen. Damit könne sie Leben retten.

Der Kreisverbandsvorsitzende Walter Adler lobte in seinem Grußwort das große Engagement des Gerlinger Ortsvereins auch im Kreisverband. Der Ortsverein sei eine große Stütze und einer der bedeutendsten Ortsverbände im Kreis.

Ein weiterer Punkt der Hauptversammlung war die Bestätigung der von der Bereitschaft gewählten Bereitschaftsleitung Alexander Killer, Christiane Bayerlein und Jan Tausk. Alle drei wurden von der Versammlung einstimmig bestätigt. Peter Wilhelm, langjähriger stellvertretender Bereitschaftsleiter war aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl angetreten. Er bleibt dem Ortsverein aber als Wirtschaftsführer und Revisor erhalten und ist auch weiterhin in der Bereitschaft aktiv.

Und auch eine Satzungsänderung stand auf der Tagesordnung. Die Satzungsänderung sei notwendig, da der Landesverband Baden-Württemberg im Jahr 2016 und der Kreisverband Ludwigsburg im Jahr 2018 ihre Satzung geändert hätten. Aus der bisher achtseitigen Satzung sei nun eine Neufassung mit 26 Seiten geworden. Die Änderungen für den Ortsverein seien in Vorgesprächen, Ausschuss- und Vorstandssitzungen besprochen worden. Den Mitgliedern lag die neue Fassung zur Abstimmung vor. Das Votum für die neue Satzung fiel einstimmig aus.

Als nächstes standen die Ehrungen auf dem Programm. Bürgermeister Brenner hatte hier eine Überraschung mitgebracht. Renate Metzger, seit 45 Jahren Mitglied im DRK wurde mit der Ehrenmedaille der Stadt in Bronze ausgezeichnet. Die weiteren Ehrungen übernahm Thilo Lang selbst. Bettina Madajewski, Falko Piest und Flora Tausk wurden für fünf Jahre Mitgliedschaft geehrt, Sigrid Matthes für 20 Jahre und Alexander Killer für 30 Jahre. Ein besonderes Dankeschön gab es für Bürgermeister Georg Brenner. Die diesjährige Hauptversammlung sei seine letzte als Gerlinger Stadtoberhaupt, so Lang. "Danke für die tolle und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen 20 Jahren", so Lang. Brenner habe für so manche Aktion des DRK die Schirmherrschaft übernommen, zuletzt für die Helfer vor Ort. Sein Büro sei für Vereine immer offen und er habe auch immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Vereine. Für die Zeit des Ruhestandes überreichte Lang dem Stadtoberhaupt einen rot-weiß gestreiften Liegestuhl zum Zurücklehnen und eine wärmende Decke sowie eine Flasche DRK Sekt.

Last but not least wies der Vorsitzende noch auf die nächsten anstehenden Termine hin. Diese sind die DRK-Kreisversammlung am 26. Juli in Gerlingen, das Straßenfest am 14. und 15. September, und der Blutspendetermin am 8. November.

Text: Tommasi / Fotos: DRK